
Zwei Drei Dinge, die mich generell an “Schlag den Raab” stören:
1. Die Werbung. Zu viele zu schlechte zu lange Unterbrechungen. Das ist nicht cool, ProSieben.
2. Die Musikacts, die eigentlich immer erbärmlich schlecht klingen. Ob Duffy, Max Mutzke oder Mando Diao. Der Gesang klingt grundsätzlich zu “fade”, geht völlig unter im Geschräbbel des Playb… der Hintergrundmusik wie ein löchriges Flüchtlingsfloß deutscher Automobilhersteller mit “O”. Ob das nun am Potenzial der Bands liegt, oder ob das Studio/die Technik unvorteilhaft sind, darüber kann jeder selbst spekulieren (zumindest von Mando Diao bin ich, was Studioaufnahmen anbelangt, sehr viel bessere Qualität gewöhnt).
3. Kandidaten, die sich in den Vorstellungsspots als Multitalente (Überflieger) darstellen, Olympiasieger, Ironman-Champions, Weltmeister, Simultanschachspieler, neben dem 1.0-Studium in Physik oder Neurobiologie eine wunderschöne Frau und zwei Kinder im nahezu abgezahlten Eigenheim (mit Mitte 20, versteht sich). Solche, die auch mit Abzug von Nervosität aufgrund dem Fehlen gänzlicher Kameraerfahrung (und abzüglich meiner leichten Übertreibungen ihre Personalie betreffend hier und da) dem Herrn Raab (Lebenslauf hier nachzulesen) eigentlich in den meisten Disziplinen weit überlegen sein sollten.
Solche, die im Vorfeld George Clooney-haft die Bühne betreten, die glänzenden Beißerchen Dr.BEST-verdächtig gen Kamera recken. Liebling der Anrufer, ungewohnt klare Sache. Gut, der gutgelaunte Micky Maus-Chefredakteur, sympathische Familienmensch und offensichtlicher rundum glückliche 2m-Hühne wäre auch keine schlechte Wahl gewesen… der hatte aber keine schönen Zähne.
Es folgt also viereinhalb Stunden Stefan vs. Marcus. Viereinhalb Stunden Indizien dafür, dass am Montag Einer im Klassenzimmer nicht mehr ganz so ernst genommen wird, war leider er beim Blätterraten nicht ganz so überzeugend. Und beim Eishockey… und beim Eisfußball. Und beim Basketball. Na ja, eigentlich auch nicht beim Feuer löschen (okay, die Leiter war wirklich hoch und Stefan wurde bestimmt irgendwie raufgezogen).
Verlieren ist keine Schande, es aber gar nicht erst zu versuchen, sehr wohl. Ich würde so weit gehen zu sagen, dass Marcus, seines gleichen Grundschullehrer, eigentlich in keiner (in der Sendung ausgeführten) Sportart talentiert ist, nicht einmal (oder auch besonders nicht) in denen, die er für sein Video verwendete. Erwähnte er nicht, er würde gerne Fußball spielen? Eishockey? Basketball? Irgendetwas?
“Ja was ist denn das”, hallt “Buschi” Buschmann nach. “Ranhalten” muss er sich nun aber mal, der Marcus. Vielmehr sollte er eventuell den Stock aus dem Allerwertesten ziehen. Junge, gib Gas!
Der Grundschulclooney, der nebenberuflich Schülermütter auf Elternabenden bezirzt und aussieht wie Diego von Werder Bremen, schien zwischenzeitlich nicht nur Probleme mit Puddingbeinen und Wackelknien zu haben, vielmehr tangierte ihn die eigene Motorik und Koordination, ja Schwerkraft, so sehr, dass seine Versuche, Stefan auf dem Eis zu überwinden aussahen wie ein Mittachziger, der einem Lümmel hinterherstakst. Eventuell noch in Slow-Motion. Und auf keinen Fall mit Körperkontakt mit dem Gegner.
Immer schön dran denken, es geht um 2 Millionen Euro. Warum Stefan gewinnt (und weiter gewinnen wird)? Weil er nicht dran denkt, abschaltet, spielt wie ein Kind. Penetrant kleinlich, verbissen, unverklemmt und ohne jede Scheu auf die Nase zu fallen.
Zum Abschluss dieser äußerst (aus der auktorialen Marcus-fokussierten Sichtweise betrachtet) “ärgerlichen” Sendung stellen wir uns Marcus vor, wie er vor seiner Klasse steht. Gar nicht unbedingt nach dieser Sendung, vielmehr generell. Marcus als Grundschullehrer. Wie will der denn die Kinder erreichen? Während er an der Oberstufe sehr wohl Eindruck machen würde, als (gutaussehendes) Idol die Schüler noch “fesseln” könnte (ich weiß das, ich hatte bereits das pädagogische Vergnügen mit Ex-Kandidat Jens Ohlemeyer), hat er in der gezeigten Art bei unter-10-jährigen nichts zu melden (ich weiß das, ich habe drei jüngere Schwestern).
Zerreißen müsste er sich. Mensch Marcus. Schade, Marcus. Und irgendwie auch ziemlich arm, Marcus.
Dabei hätte ich ihm das Geld so gegönnt.
Als der i-Männchen-Strahlemann bei Showbeginn die Kandidatentreppe hinaufstieg, verkündete ich, er würde mit rekordverdächtigem Abstand (vor Mr. Micky Maus mit den Goofy-Zähnchen) die Treppe hinuntersteigen dürfen. Es ist eben nicht immer das drin, was draufsteht.
Man stelle sich einmal ganz unvoreingenommen Stefan Konrad (!) Raab als Kandidat vor, Rechtswissenschaftsstudium (abgebrochen?), Metzgerlehre im elterlichen Betrieb, den Show-Erfolg mal weggedacht (also deutlich weniger Prominenz als der Olympiasieger). Stefan Raab, nicht sehr jung, nicht (sehr) hübsch, ohne seine Prominenz eventuell auch mit “Raabschem Charisma”, steigt die Treppe hoch. Links neben ihm steht ein frisch gebackener Ironman, springt in seiner Freizeit HALO(High Altitude – Low Opening)-jumps, Haus, Frau, Kinder. An seiner Rechten der Überfliegerstudent mit halber Studentenschaft hinter sich, dazu noch der obligatorische Lieblings-Lehrer und die Quoten-Frau (sorry, aber guckt euch doch mal die Kandidatenverhältnisse an…).
Und jetzt kommt die Frage:
a) Wer zieht in die Sendung ein?
b) Wie feierst du Weihnachten?
Nachtrag: Einige kleine Details dieses Beitrags mögen nicht ganz den Fakten entsprechen, was lediglich der Unterhaltung dient.
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